Research Result

Pflanzen bremsen ihr Immunsystem, um Virusinfektionen zu überleben

Wenn Viren in eine Pflanze eindringen, könnte man einen Immunkrieg erwarten. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass eine zu starke Immunreaktion – ähnlich wie beim Menschen – tatsächlich mehr schaden als nützen kann. Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Marion Clavel vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie (MPI-MP) und Yasin Dagdas vom Centre for Organismal Studies (COS) der Uni Heidelberg deckt auf, wie Pflanzen ihre Abwehrkräfte sorgfältig ausbalancieren, um Virusangriffe zu überleben. Die Arbeit enthüllt eine überraschende Strategie: Anstatt das Virus direkt zu zerstören, schwächen Pflanzen aktiv Teile ihres eigenen Immunsystems ab, um selbstverschuldete Schäden zu verhindern. Selektive Autophagie dient zur „Feinabstimmung“ des Immunsystems in virusinfizierten Pflanzen, schildern sie im Fachjournal Science.

Quelle: MPI-MP
Research Result

Protein-Übersetzungsfehler: Pflanzen zeigen erstaunliche Toleranz

Die präzise Herstellung von Proteinen gilt als zentrale Voraussetzung für das Funktionieren von Zellen. Ein Forschungsteam hat nun jedoch erstmals gezeigt, dass Pflanzen deutlich robuster mit Übersetzungsfehlern bei der Proteinherstellung umgehen können als bisher studierte Organismen. Am Modellorganismus Arabidopsis thaliana konnten die Forschenden nachweisen, dass Mitochondrien und Chloroplasten – die Zellorganellen, die für Energiehaushalt und Photosynthese essenziell sind – selbst hohe Fehlerraten kompensieren können und dabei unterschiedlich auf Übersetzungsfehler reagieren. Die Ergebnisse hat das Team um die Biologen Professor Hans-Henning Kunz und Dr. Benjamin Brandt von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gestern in PNAS veröffentlicht.

Quelle: LMU
Research Result

Wie Braunalgen ihre Partner auswählen

Forschende haben ein bisher unbekanntes Protein identifiziert, das eine Schlüsselrolle bei der Befruchtung von Braunalgen spielt. Es bestimmt nicht nur, ob männliche und weibliche Keimzellen einander erkennen, sondern sorgt auch für strenge Barrieren zwischen den Arten. Die Entdeckung der Forschenden des Max-Planck-Instituts für Biologie Tübingen erweitert die bemerkenswert kurze Liste von Proteinen über das gesamte Reiche der Eukaryoten, die artspezifische Befruchtung steuern. Im Detail: Das PKN-Protein ist für die Erkennung weiblicher Keimzellen durch männliche Keimzellen erforderlich, da die Befruchtung ohne dieses Protein fehlschlägt. Wie die Forschenden zeigen, vermittelt PKN die artspezifische Befruchtung; es ist eines der wenigen identifizierten Gameten-Erkennungsproteine, und das erste, das für die Gruppe der Braunalgen beschrieben wurde. PKN entstand speziell in der Braunalgen-Linie, was zeigt, dass Braunalgen eine eigenständige Lösung für die universellen Probleme der Befruchtung gefunden haben. Veröffentlicht sind die Ergebnisse im Fachjournal Current Biology.

Quelle: MPI für Biologie
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EU: Living guidelines on the responsible use of generative AI in research

Die EU-Kommission hat am 8. Mai eine Aktualisierung der EFR-Leitlinien für den verantwortungsvollen Einsatz generativer KI in der Forschung veröffentlicht unter dem Titel Living guidelines on the responsible use of generative AI in research - eine Reihe von Empfehlungen, die der Forschungsgemeinschaft einfache und operative Leitlinien zur Förderung der Annahme und des verantwortungsvollen Einsatzes generativer künstlicher Intelligenz (KI) bieten. 

Quelle: EU Kommission
People and Careers

Eva Stukenbrock zum Leopoldina-Mitglied berufen

Eva Stukenbrock, Professorin für Umweltgenomik an der CAU und Fellow am MPI-EvolBio in Plön, wurde kürzlich zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. Foto und (c): Uni Kiel

Die Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften, beruft Eva Stukenbrock, Professorin für Umweltgenomik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Fellow am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI-EvolBio), zu ihrem neuen Mitglied. Dies gab die 1652 gegründete Akademie kürzlich bekannt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften ehrt damit die CAU-Professorin für ihre herausragenden Leistungen in der Erforschung der evolutionären Genomik pflanzenschädlicher Pilze. Die Akademie zählt zu den renommiertesten Wissenschaftsgesellschaften in Deutschland und dient dazu, unabhängige und wissenschaftsbasierte Politikberatung zu aktuellen gesellschaftlich relevanten Fragen zu leisten und die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien zu vertreten.

Quelle: CAU
Research locations

Neuer Name – gleiche Mission: Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ)

Neues Logo des Leibniz-Instituts für Gartenbauwissenschaften (IGZ). Copyright: IGZ

Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e. V. tritt künftig unter dem Namen Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ) e. V. auf. Die Institutsleitung enthüllte heute in Anwesenheit von Dr. André Lottmann vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK), Vorsitzender der IGZ-Mitgliederversammlung sowie Esther Winterhoff vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), stellvertretende Vorsitzende des höchsten Gremiums des IGZ, den neuen Namen und das neue Logo. Das IGZ wird durch beide Ministerien gemeinsam grundfinanziert. Mit der Umbenennung trägt das Institut seiner wissenschaftlichen Entwicklung und der geschärften strategischen Ausrichtung im Bereich der Gartenbauwissenschaften Rechnung.

Quelle: IGZ
Application

Apps für den Umgang mit dem Klimawandel

Zwei der Apps liefern Informationen dazu, wie sich Wälder mit dem Klimawandel verändern werden. Foto und (c): Markus Bolliger

Wer mit der Natur arbeitet, ist dem Klimawandel ausgesetzt: Wälder, Gewässer und landwirtschaftliche Nutzflächen werden als Ressourcen unzuverlässiger. Forschende des Forschungsprojektes NCCS-Impacts, geleitet von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), stellen neue Werkzeuge bereit, um Risiken besser einzuschätzen und die Planung anzupassen. Die von der ETH Zürich entwickelte ForClim-App ermöglicht Forstbetrieben oder Waldplanende das Schicksal ihrer Bestände sehen. Die App FORTE liefert dagegen einen grossräumigen Überblick. Sie zeigt auf Karten, wie sich Wälder und ihre Ökosystemleistungen unter dem Klimawandel verändern könnten. Die App CLIMAGS, die Forschende von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung, entwickelt haben, macht Veränderungen sichtbar. 
Forschende der Universität Genf haben die App AquaREL entwickelt, die Veränderungen der Niederschlagsmuster in der Schweiz aufzeigen und sie prognostizieren kann. Sie zeigt, wie sich drei zentrale Aspekte der Gewässer verändern.

Quelle: WSL
Research Result

Bäume auf Rinderweiden erhöhen die Artenvielfalt

Booster für die Artenvielfalt: Bäume auf Rinderweiden in Kolumbien. Foto und (c): Julián Chará

Rinderhaltung ist die wichtigste Ursache für das Abholzen tropischer Wälder, stellt jedoch auch eine wichtige Lebensgrundlage für fast eine Milliarde Kleinbauern dar. Eine globale Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zeigt nun, dass dieser Konflikt durch die Wiedereinführung von Bäumen in Weideland gemildert werden kann: Durch die Anpflanzung von Bäumen auf Rinderweiden wird die Artenvielfalt im Vergleich zu herkömmlichen Weiden fast verdoppelt – heimische Wälder und deren Schutz können diese Anpflanzungen jedoch nicht ersetzen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Ecological Applications veröffentlicht.

Quelle: JLU
Research Result

Einzigartiger Farnbeleg im Herbarium entdeckt

Beleg von A. v. Chamisso zu Lygodium japonicum (Thunb.) Sw., dem Japanischen Kletterfarn inklusive originale Handzeichnungen. In der freien Natur können die gefiederten Farnwedel dieser Art bis zu 30 Meter lang werden. Foto und (c): Botanischer Garten Berlin

Zu den besonders wertvollen Beständen des Herbariums des Botanischen Gartens Berlin gehört das Farn-Herbarium: eine der wenigen Sammlungen, die 1943 den verheerenden Kriegsbrand in der Einrichtung nahezu unbeschadet überstanden haben. Nun haben Wissenschaftler*innen des Botanischen Gartens bei der Digitalisierung des Konvoluts einen handgezeichneten Farnbeleg des berühmten deutschen Dichters und Botanikers Adelbert von Chamisso entdeckt: Es handelt sich um einen seltenen „Typus-Beleg“, also die physische Referenz für eine neu beschriebene Art. Den heute als Lygodium japonicum (Thunb.) Sw. bekannten Japanischen Kletterfarn hatte Chamisso von einer Weltumseglung mit der russischen Brigg „Rurik“ (1815–1818) mitgebracht, als eine von zahlreichen Pflanzenproben. Die Entdeckung markiert als Zwischenerfolg die Halbzeit des in den Jahren 2025 und 2026 mit insgesamt bis zu 400.000 Euro von der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege geförderten Projekts zur Digitalisierung und Onlinepublikation des Farn-Herbariums.

Quelle: Botanischer Garten Berlin