Stella Drechsler (Philipps-Universität Marburg)
Stella MC Drechsler erhielt den Preis für die beste pflanzenwissenschaftliche Master-Arbeit, die an der Universität Marburg im Jahr 2025 erstellt wurde, von der Deutschen Botanischen Gesellschaft für die Arbeit:
Regenerationsdynamiken von Baumkeimlingsgemeinschaften in einem tropischen Regenwaldökosystem
Diese Studie untersucht die Regeneration von Baumkeimlingen in einem tropischen Regenwald in Ecuador mit einem neuen Versuchsdesign, das oberirdische Störungen mit dem Ausschluss terrestrischer Säugetiere kombiniert. Durch die Integration lokaler experimenteller Effekte mit landschaftlichen Faktoren auf Flächen, die früher unterschiedlich landwirtschaftlich genutzt wurden, bietet sie eine multiskalige Perspektive auf sekundäre Waldregeneration.
Heute machen Sekundärwälder über 60 % der Waldflächen weltweit aus und besitzen ein großes Potenzial für den Erhalt tropischer Biodiversität sowie die Bereitstellung zentraler Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen. In dieser Studie untersuchten wir die Regeneration von Baumkeimlingen – einem entscheidenden Engpass der Waldregeneration – in einem tropischen Tieflandregenwald im ecuadorianischen Chocó. Entlang einer Chronosequenz von 0 bis 39 Jahren seit der Aufgabe der Kakaoproduktion oder von Weideflächen analysierten wir den Einfluss (a)biotischer Faktoren auf Landschafts- und lokaler Ebene, wobei Primärwaldflächen als Referenz dienten. Zur Untersuchung lokaler Effekte auf die Baumkeimlinge, setzten wir innerhalb der Chronosequenz ein vollfaktorielles Experiment um, das oberirdische Störungen (Entfernung kleiner Vegetation, der Laubschicht und dem Oberboden) mit dem Ausschluss terrestrischer Säugetiere durch einen Zaun kombinierte.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Abundanz, Diversität und Zusammensetzung der Baumkeimlinge auf Landschaftsebene mit zunehmender Regenerationszeit immer mehr denen von Primärwäldern annähern. Ehemalige Kakaoplantagen wiesen anfangs eine höhere Keimlingsabundanz und -diversität auf als ehemalige Weideflächen, wobei sich diese Unterschiede im Verlauf der Regeneration verringerten. Auf Landschaftsebene förderten ein höherer Anteil umliegender Waldflächen sowie geringere Höhenlagen eine höhere Abundanz und Diversität der Keimlingsgemeinschaften. Auf lokaler Ebene hatten die experimentellen Maßnahmen keinen Einfluss auf Abundanz und Diversität; auf ehemaligen Weideflächen wurde die Zusammensetzung der Keimlinge jedoch stärker durch die oberirdische Störung als durch den Ausschluss von Säugetieren verändert, was auf nutzungsspezifische Effekte der früheren Landnutzung hindeutet.
Insgesamt unterstreichen unsere Ergebnisse die komplexe Wechselwirkung zwischen Landnutzungsgeschichte, Landschaftskontext und lokalen Störungen bei der Regeneration tropischer Wälder. Diese Studie betont die Notwendigkeit integrierter, multiskaliger Naturschutz- und Wiederherstellungsstrategien zur Unterstützung der Regeneration tropischer Sekundärwälder.
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Stella Drechsler fertigte die Arbeit am Lehrstuhl Naturschutz der Philipps-Universität Marburg in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Nina Farwig an.